Beziehungen fordern uns heraus – Teil 2 Weshalb wohlwollende Worte und ein freundlicher Tonfall nur bedingt wirken

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Beziehungen fordern uns heraus.

Beziehungen fordern uns heraus

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Wir haben uns im ersten Teil damit beschäftigt, welche Herausforderung die Kommunikation in Beziehungen an uns stellt. Heute im

zweiten Teil geht es darum, woran es liegt, dass  wohlwollende Worte und
ein freundlicher Tonfall nur
bedingt wirken.

Haben sie sich schon mal gefragt, weshalb die gewünschte Reaktion trotzt wohlwollender Formulierung und freundlichem Tonfall manchmal ausbleibt oder sogar das Gegenteil bewirkt?

Ein Beispiel:
Mutter: „Oskar, du weißt, dass ich mich sehr über dein gebautes Haus freue, aber wie oft muss ich es Dir denn noch sagen, dass zum Spielen auch das Aufräumen gehört. Fang jetzt bitte endlich damit an die Legosteine in die Kiste zu räumen.“
Oskar ignoriert seine Mutter und spielt weiter.

Dieses Beispiel lässt darauf schließen und die Praxis hat es schon viele Male gezeigt, dass freundliche Worte und ein ruhiger Tonfall alleine  noch keine Kooperation bewirken können.

Worte werden häufig bewusst und unbewusst eingesetzt um im Gegenüber eine bestimmte Reaktion zu erzeugen; darüber hinaus spiegeln sie unser Denken wieder und geben gleichzeitig Aufschluss über die innere Haltung.
Letztere ist häufig der Knackpunkt, denn Menschen, gleich welchen Alters, verfügen über sehr feine Antennen und nehmen neben den Worten und dem Tonfall auch die Zeilen zwischen dem Gesagten wahr. Unbewusst checken sie ab, ob die Aussage wahrhaftig so gemeint ist oder ob es nur ein Versuch ist, mit schönen Worten zu manipulieren.

Bekannte Stolpersteine konstruktiver Zusammenarbeit, die wir kennen sind:

„… aber, …“ – wertet das vorher Gesagte ab
Kommen wir zum obigen Beispiel zurück: Nach dem Ausdruck der Freude, folgt das „… aber, wie oft muss ich es Dir denn noch sagen, dass zum Spielen ….“

Stärkt das Kind im ersten Teil der Aussage die Wertschätzung und Anerkennung für das Gebaute, hört es – ohne Pause – gleich im Anschluss mit dem Wort aber, eine Abwertung dessen.
Die Forderung die Spielsachen aufzuräumen, um der es der Mutter primär geht, tritt in den Vordergrund. Die Motivation dem Wunsch der Mutter zu entsprechen sinkt gegen null.

TIPP: Kommt Ihnen das Wort aber, auch manchmal über die Lippen ;-), trainieren sie es mehr und mehr wegzulassen und ersetzten sie es mit und.

„… und“ – verbindet
das Positive mit der Regel, dem Aufräumen vor dem zu Bett gehen. Erst stärken, dann fordern heißt die Devise.

Z. B. „Oskar, ich freue mich über dein gebautes Haus. Lass uns mal überlegen, wie du das Haus erhalten kannst um es dem Papa nachher zu zeigen und wie du die restlichen Legosteine in die Kiste räumst. Ok?“

„Nie …“ „Immer …“ – sind Generalisierungen und Urteile
„Nie tust du das, was ich dir sage.“ „Immer trödelst du herum.“ – sind Generalisierungen und Urteile. Das Kind fühlt sich schuldig und nicht gut genug zu sein. Je mehr es diese Worte hört, macht es zu und geht in Abwehrhaltung.

„Müssen“ – erzeugt Druck
„Komm beeil Dich, wir müssen los.“ Das Wort Müssen erzeugt vielfach Trotzreaktionen und Widerstand, schränkt es doch das Bedürfnis nach Selbstbestimmung gewaltig ein. Das Gefühl der Ohnmacht macht sich breit.
Bereits Kleinkinder brauchen ein hohes Maß an Selbstbestimmung, dass bringen sie in der Trotzphase deutlich zum Ausdruck.
Ersetzen sie das Wort müssen mit: „Ich will in 5 Minutenlos. Ziehen wir uns an“ oder „Ich möchte …“, „Ich werde …“

Beobachten Sie bewusst Ihre Worte, Tonfall und Erwartungen – es lohnt sich.
Sie erhalten dadurch Klarheit über die eigene Innere Haltung, die ein mächtiger Schlüssel zu einer liebevollen Verbindung ist.

Über die Innere Haltung erfahren Sie mehr im nächsten Beitrag dieser Serie

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  • Teil 6: Schritt 3: Bedürfnisse – Sagen was ich brauche

  • Teil 7: Schritt 4: Strategien – Tun, was ich kann

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