Beziehungen fordern uns heraus – Teil 1

Konfliktgespräch

Konfliktgespräch

In der Kommunikation mit sich selbst und anderen spiegelt sich die Qualität
der Beziehung wider.

Wie mit „einfühlsamer Kommunikation“ auch in Konfliktsituationen eine gute Verbindung zu sich selbst und zu anderen gelingen kann, erfahren Sie in einer Serie zur Gewaltfreien Kommunikation.

  • Teil 1: Beziehungen fordern uns heraus – Gewaltfreie Kommunikation verbindet 
  • Teil 2: Weshalb wohlwollende Worte und ein freundlicher Tonfall nur bedingt wirken?
  • Teil 3: Die innere Haltung der Einfühlsamkeit, Freiwilligkeit, Gleichwertigkeit
  • Teil 4: GFK in der Praxis: Schritt 1: Beobachtung – Beobachten ohne zu werten.
  • Teil 5: Schritt 2: Empathie – Fühlen, was ich fühle.
  • Teil 6: Schritt 3: Bedürfnisse – Sagen was ich brauche.
  • Teil 7: Schritt 4: Strategien – Tun, was ich kann.

Der Mensch kann sich seiner Wirkung nicht entziehen

Vom österreichischen Kommunikationsforscher und Psychologen Paul Watzlawik stammt die Aussage: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Gemeint ist, jede Kommunikation – nicht nur mit Worten – viel mehr auch die Körpersprache (Mimik, Gestik, Tonfall) ist Verhalten und wirkt auf die Beziehung. Wir können uns nicht nicht verhalten und deshalb auch nicht nicht kommunizieren!

Zum Beispiel:
Mehrere Schüler beobachten beim Abwerfen spielen in der Pause, dass ein Schüler obwohl er schon mehrmals abgeworfen wurde, die Aufforderung der Mitspieler an den Spielfeldrand zu gehen ignoriert. Erst nach mehrmaliger Aufforderung folgt er den Anweisungen. Darauf hin bleibt er für den Rest des Spieles draußen stehen. Keiner der Mitspieler befreit ihn, damit er wieder mitspielen kann.

In diesem Beispiel ist sich die Gruppe – nonverbal – einig: „Wir wollen nicht mir dir spielen, wenn du dich nicht an die Regeln hältst.“
Der Schüler drückt nonverbal aus: „Ich habe Angst, dass ihr mich nicht  wieder ins Spielfeld reinholt, deshalb gehe ich erst gar nicht raus. Ich will mitspielen.“
Ich werde ausgegrenzt, die mögen mich nicht.“

Jedes Verhalten zeigt Wirkung auf die Beziehung zu sich selbst und zu anderen.

Es lebe die Vielfalt

Nicht selten erlebt man im Alltag, dass Beziehungen gestört sind. Manche Störungen dauern vorübergehend, andere für einen längeren Zeitraum oder wieder andere scheinbar für immer an. Das Zusammenleben gestaltet sich in jedem Fall als schwierig, unharmonisch und nicht selten als belastend. Woran liegt das?

Treffen Menschen mit ihren Anliegen aufeinander läuft unbewusst sofort eine gegenseitige Beeinflussung und Bewertung der Situation und / oder der Person ab – ok oder nicht ok. Dieses Verhaltensmuster ist ein Relikt aus der Steinzeit, mussten die Menschen doch damals schnell entscheiden Freund oder Feind um zu überleben.

Heute dagegen geht es in unseren Breitengraden nicht mehr um das Überleben, sondern darum miteinander zu recht zu kommen; noch besser sich gegenseitig zu unterstützen und zu stärken und neugierig aufeinander zu sein. Dazu braucht es neue Verhaltensmuster, die trainiert werden wollen.

Annahme: Toleranz für Unzulänglichkeiten, Begrenztheiten und Anders-Sein, bilden die Grundlage für Begegnungen unserer Zeit. Nach dem Motto: Menschen sind unterschiedlich in ihrer Art, unterscheiden sich von meiner Art – und das ist gut so!

Wie entstehen Konflikte?

Kommunikation läuft über eine  psychologischer-Nebel
Inhalts- und eine Beziehungsebene ab. Wobei letztere überwiegt.
Stimmt die Chemie zwischen
Sender und Empfänger, ist die Wahrscheinlichkeit um ein vielfaches größer, dass dem Anliegen des Senders beide Seiten zustimmen können, gemeinsam Lösungen gesucht und gefunden werden oder einander akzeptieren können.

Ist die Beziehung gestört, werden Nachrichten falsch interpretiert, nicht akzeptiert oder gar als Angriff gewertet. Man spricht vom psychologischen Nebel.

Nehmen wir das Beispiel von oben:
Chemie stimmt:
Gruppe: „Hey, das ist unfair. Du kennst die Regeln, halt Dich daran. Ok?“
Schüler: „Ok.“

Beziehung gestört:
Gruppe: „Du schwindelst immer. Wir haben Dich jetzt schon 5x abgeworfen, das macht keinen Spaß. Es ist immer das gleiche mit Dir.“
Schüler: „Das ist gar nicht wahr. Ich bin nicht abgeworfen worden. Ihr seid so gemein.“

Unterschiedliches gibt es immer – reden wir darüber

Unterschiedliche Bedürfnisse stellen weniger den Konflikt dar, worüber wir streiten. Der Grund ist, weil wir diese weitestgehend auch kennen, selbst haben – nur oft nicht zur gleichen Zeit.

Entscheidend ist, dass man nicht darüber spricht, was man fühlt und braucht, damit es einem gut geht. Vielmehr konzentriert man sich auf die „eigene Vorstellung und Strategie“, wie etwas zu laufen hat. Der Konflikt ist vorprogrammiert, weil er den anderen in den Prozess nicht mit einbezieht.

Verwenden wir wieder das o. g. Beispiel:
Würde der Schüler sagen: „Wenn ich draußen stehe, habe ich Angst, dass ihr mich nicht mehr reinholt. Ich will so gerne bei euch mitspielen …“, dann würden die anderen Schüler verstehen, dass er ein Teil der Gemeinschaft sein will.

So jedoch führt sein ignorieren (= Strategie) der Regeln zur Unzufriedenheit bei den anderen und letztendlich zum Ausschluss, weil deren Bedürfnisse z. B. nach Gerechtigkeit und Fairness nicht erfüllt sind.

Damit Wölfe zu Giraffen werden!
Gewaltfreie Kommunikation (GFK) – Marshall B. Rosenberg

Diese Gedanken sind beseelt aus den Erfahrungen unserer Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit. Diese basiert auf der „Gewaltfreien Kommunikation“ (GFK), auch „Sprache des Friedens“ oder „Sprache des Herzens“ genannt, die Marshall B. Rosenberg vor über 40 Jahren entwickelt hat.

Diese einfühlsame Kommunikation wird weltweit, erfolgreich in Kindergärten, Schulen und bei Erwachsenen eingesetzt um Konflikte zu lösen – bis hin zur Mediation bei Konflikten zwischen Nationen.

Es ist Zeit, neben den technischen Fortschritt in diesem Jahrhundert, auch in die sprachliche Qualifikation und in eine einfühlsame innere Haltung zu investieren, um das Miteinander offener und wahrhaftiger zu gestalten. Der Lohn dafür ist mehr Freiheit „Ich selbst zu sein“, Gelassenheit, Klarheit, Leichtigkeit, innerer Frieden …

Dort wo innerer Frieden herrscht, ist äußerer Frieden die Norm!

Wie erleben Sie die Herausforderung der klaren Botschaften und der Konfliktbewältigung auf friedvolle Weise?

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  • Teil 5: Schritt 2: Empathie – Fühlen, was ich fühle.
  • Teil 6: Schritt 3: Bedürfnisse – Sagen was ich brauche.
  • Teil 7: Schritt 4: Strategien – Tun, was ich kann.

 

5 Kommentare
  1. Nicole Kellner
    Nicole Kellner sagte:

    Hallo meine Liebe,

    wie immer trifft dieser Artikel den Nagel genau auf den Kopf.
    Manchmal habe ich das Gefühl – obwohl ich das Sender/Empfänger-Modell ja auch kenne, nicht wirklich immer daraus gelernt zu haben. Gerade auf der Beziehungsebene.
    Ich freu mich schon auf die folgenden Teile.
    VG Nicole

    Antworten
    • evamariazimmerer
      evamariazimmerer sagte:

      Liebe Nicole Kellner,
      denke Dir „Du bist eine Meisterin, die übt“.
      Ich wünsche Dir weiterhin viele Möglichkeiten zu üben.
      Eva Maria

      Antworten
  2. Andrea Schlehhuber
    Andrea Schlehhuber sagte:

    Hallo Eva Maria,
    in deinem Bericht finde ich sehr schön, wie du erklärst dass man durch handeln oder auch nicht handeln auf andere Einfluss nehmen kann. Bzw. wie man durch Gespräch und handeln auf der Gefühls-ebene Konflikte positiver lösen könnte. Es wäre schön wenn das bei den Erwachsenen oft genau so einfach wäre. Denn oft wird das Eingestehen von Gefühlen als Schwäche ausgelegt. Ich freue mich schon auf weitere Artikel von dir, dass wird bestimmt noch sehr spannend.
    Lg
    A. Schlehhuber

    Antworten
    • evamariazimmerer
      evamariazimmerer sagte:

      Hallo Andrea Schlehhuber, ja, der Glauben ist weit verbreitet, ein Erwachsener, der Gefühle zeigt ist schwach und verletzbar. Beides möchte man nicht zeigen und passt auch nicht in Beruf und Erwachsenengespräche. Wo es hinführt erleben wir an dem vielen Leid, dass uns täglich begegnet.
      Für mich ist es eine Frage der bewussten Entscheidung: „Will ich leiden oder meine Identität leben?“
      Die Erfahrung aus der Praxis zeigt: ein Erwachsener, der sich traut seine Gefühle und Bedürfnisse auszusprechen, wirkt klar und authentisch!

      Antworten
  3. Stefan Grebler
    Stefan Grebler sagte:

    Ich kann mich da Eva-Maria nur anschließen! Ich finde auch, dass sich in der heutigen Zeit zu wenig Erwachsene trauen ihre Gefühle zu zeigen. Ich bin der festen Meinung, wenn dies öfter praktiziert werden würde, würden sich so manche Konflikte in Luft auflösen, da das Verständnis für sein Gegenüber steigt und man die Handlungen besser nachvollziehen kann. So manche Fehlinterpretation würde sich dann aufklären und der Respekt füreinander würde gesteigert, was allen ein besseres Gefühl gibt.

    Antworten

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